Der Bart muss ab!

“Der Bart muss nun endlich ab!” Das sind meine Gedanken auf der heutigen Heimfahrt von Greifswald.
Seit einigen Wochen steht die Grace nun an Land um den Winter zu verbringen. Ein sehr hoher Bock macht den Aufstieg über unsere Schiebeleiter unmöglich, die ist zu kurz. Sie reicht gerade so bis an die Badeleiter, auf die man dann umsteigen muss um an Bord zu kommen. Noch nie konnte ich aufrecht unter der Grace stehen – in diesem Winter kann ich es.

hoch und trocken


Im Oktober haben wir mit dem Segelmacher einen Termin gehabt, haben eine Winterplane und eine Sprayhood nebst Kuchenbude in Auftrag gegeben. Die Winterplane war schnell fertig und montiert, wie ein stabiles Zelt steht es über dem Deck. Der Rest ist zum großen Teil fertig aber die Segelmacher warten auf wärmeres Wetter für die Montage.
Diesen Luxus kann ich mir nicht leisten, ich muss an den Wochenenden wo es eben geht arbeiten und dieses letzte Wochenende ging es. Ich hatte mit kalten Temperaturen gerechnet und habe den Bart eine Woche länger stehen lassen – jedes Haar wärmt auch ;-) – dank unserer Dieselheizung war es aber gar nicht so sehr kalt.
Am Freitag Abend bin ich also losgefahren, habe dann nach 5h Fahrt erstmal ein Bett gebaut – alle Kabinen sind wegen den Arbeiten durcheinander gewürfelt – und habe dann ziemlich schlecht geschlafen. Starke Boen ließen den Mast immer wieder erzittern, das überträgt sich auf den Rumpf und an Land sind diese Bewegungen sehr unangenehm. Man spürt sie wenn man ruhig in der Koje liegt und versucht einzuschlafen. Außerdem war die Dierk am Mast angebunden und kämpfte mit den anderen falsch angebundenen Leinen auf den anderen Schiffen um den Titel “lauteste Leine der Nacht”. Aber ich war zu träge um noch einmal aufzustehen und habe die “Stöpselmethode” für das Ausschalten der Geräusche gewählt.
Am Samstag wurde dann gewerkelt, geräumt, gemessen. 2 Leselampen und eine 12V-Steckdose installiert, eine Zusatzbatterie für die Funke eingebaut, drei falsch eingebaute Schalter verlegt, einen Ansaug-Schalldämpfer Marke “palstek-Eigenbau” installiert, einen großen Baumarkt erkundet, Anschlussbox für den Außenmonitor erneuert und dazu ein zusätzliches Kabel eingezogen, Überlegungen für die zusätzliche Sicherung von offenen Luken und des Niedergangs angestellt, Cockpitkissen zum Ändern abgegeben, 3 automatische Bewegungslichter installiert (da fällt mir ein das ich eines nicht abgeschaltet habe …)

Palstek-Eigenbau-Ansaug-Schalldämpfer


Außerdem kämpfte ich mit den beiden Stromgeneratoren die mir den Strom für die anstehenden Arbeiten und zum Laden der Batterien lieferten – Landstrom habe ich hier leider nicht, habe die Dierk vom Mast weggebunden – wozu eine teilweise Demontage der Winterplane nötig war und das alles nebst ungezählten Kleinigkeiten die man immer so vor sich herschiebt weil es keine akuten Probleme gibt. Nach ungezählten Malen Leiter rauf und wieder runter kann ich heute einen kleinen Muskelkater vermelden.

Bauchaos

Abendstimmung


Der Sonntagmorgen begann sehr früh, bereits um 6:00 Uhr begann ich aufzuräumen, dann habe ich schnell noch eine Signallampe angeschlossen, alle Materialien und Werkzeuge wieder an seinen Platz geräumt und gegen 9:00 Uhr das Gelände verlassen. 20km später ist mir dann auch gleich noch etwas eingefallen was ich gerne noch erledigt hätte … hätte.
Nach einer problemloser Fahrt wurde dann der Bart entfernt – nun fühlt sich mein Gesicht wieder an wie mein eigenes.

Aktuelle Position

Während wir unterwegs sind wird die aktuelle Position der Grace immer dann übertragen wenn wir uns per Kurzwelle ins Winlink-Netzwerk einloggen.
Wenn man den Mauszeiger über einem der Pins einen Moment ruhen läßt, wird das Datum und die UTC-Uhrzeit des Eintrags angezeigt.

Hier der Link zu unserer Position.

18.11.2011: Achtung! die Position stimmt momentan noch nicht.

Angekommen

Nach einer guten Nacht vor Anker bei Prora sind wir am Freitag nach Lubmin gefahren. Dort wurde kurz fest gemacht und ein Mann fuhr mit dem Auto vor nach Greifswald. So sparten wir uns den aufwändigen Weg zurück nach Lubmin per Pedes, Bus und Fahrrad. Da wir auch schon zeitig am Nachmittag ankamen, konnten wir schon die Segel abschlagen, das Schlauchboot sauber machen und anfangen aufzuräumen. Am Abend ging es rein nach Greifswald, wie an einem lauen Sommerabend konnten wir auf dem Marktplatz draußen sitzen und uns ein deftiges Abendbrot schmecken lassen.

Am Samstag dann das ultimative Chaos, alles muss raus. Saubermachen, umräumen, erste kleine Reparaturen. Dann Abfahrt gegen Mittag. Ohne nennenswerten Stau sind wir 17:45 angekommen.

Überfahrt Richtung Rügen

Der Morgen begann zu früh. Auch der Motor hatte noch keine rechte Lust und ging gleich im Hafenbecken noch drei mal aus. Aber glücklicherweise auch immer wieder an. Vor dem Hafen setzten wir den Blister worauf der Wind einschlief. Naja, also den Motor bissel gestreichelt, Theorien diskutiert und wieder gestartet. Nun lief er 3 Stunden ohne Probleme. Die Sicht ist schlecht, alles was mehr als 2nm weg ist, ist für uns unsichtbar. Zum Glück helfen AIS und Radar. Die Schifffahrtsstrasse haben wir gerade durchquert, jetzt ist der Blister wieder oben. Es geht so lala voran … An Bord alles wohlauf.

Wandertag

Heute war Wandern angesagt. Von unserem Ankerplatz vor den Klippen ging es unter Motor in den Hafen Klintholm. Von dort starteten wir zu einer Wanderung zu den Klippen. Es wurde ein Picknick vorbereitet und dann ging es los. Das Wetter war herrlich, moderater Wind und warme Luft, Sonnenschein aber leider etwas diesig. Zuerst sah es unmöglich weit aus, am Ende waren es aber doch “nur” 6km. Noch einen weiteren Kilometer auf den Klippen und dann zurück. Vorher gab es aber noch ein Eis im Informationszentrum. So hatten wir am Ende Hin und Zurück 14km auf dem Tacho. Eine sehr schöne aber auch anstrengende Wanderung für Leute die Laufen eigentlich nicht gewöhnt sind. Anschließend wurden die Duschen probiert – leider sehr knauserig. 5 Kronen für 2 min. Und zwischendurch abstellen ging nicht. Also brauchst du 10 Kronen, das geht eigentlich nicht, zumindest wenn man die Dusche wirklich nötig hat. Ja und nun ist es 21:00. Der Abwasch ist gemacht, die Geselligkeit beginnt. Morgen früh ist zeitiges Aufstehen angesagt, wir wollen soweit wie möglich kommen und steuern Lubmin oder Zicker an. Eine weite Strecke, wir fahren mal bis Arkona und dann schauen wir mal wie die Aktien stehen.

Ein Traum von einem Morgen

… erwartete uns heute bei Sonnenaufgang. Klare Luft, blauer Himmel und diese wunderbaren Klippen in diesem wunderbaren Licht – einfach herrlich. So herrlich das wir draußen im Cockpit gefrühstückt haben. Und gerade wird das Bild in einem Aquarell festgehalten. Gestern haben wir hier am Strand gegrillt, es gab Steaks und Roster und ein schönes großes Lagerfeuer aus Treibholz. Leider hat uns auch der Motor wieder verlassen – wir rätseln was das Problem sein könnte. Zum Glück springt er aber immer wieder an und so hoffen wir das es eben immer wieder gut geht. Die Pläne stehen weiterhin, heute Hafentag und Wandern, morgen dann Rückkehr in deutsche Gewässer.