Gestern fand ich eine so passende Beschreibung des Neides in einem Buch von Götz Aly. (Ja, ich habe tatsächlich Zeit, etwas zu lesen.) Es geht darin um das Entstehen von Antisemitismus – aber man kann die Beschreibung ebenso auf den ganz alltäglichen Neid beziehen indem man zwei oder drei Satzstückchen einfach herausläßt. Ich mache das mal ganz genau so. Wir kennen alle den Neid zwischen Kollegen, Freunden, Verwandten oder zwischen Geschwistern. Schenke uns Gott das wir diesem Neid in unserem Leben nicht verfallen!

Aly schreibt „Doch speiste … (er) sich aus materiellen Spannungen und Interessen – letztlich aus derjenigen unter den sieben Todsünden, die anders als Wollust, Völlerei, Hoffart, Habgier, Zorn oder Faulheit überhaupt keinen Spaß macht: dem Neid.
 Neid zersetzt das soziale Miteinander. Er zerstört Vertrauen, macht agressiv, führt zur Herrschaft des Verdachts, verleitet Menschen dazu, ihr Selbstwertgefühl zu erhöhen, indem sie andere erniedrigen. Der tückische, scheele Blick auf den Rivalen, die üble Nachrede und der Rufmord gelten dem Erfolgreichen, erst recht dem Außenseiter. Dabei vergiften sich die Neider selbst, werden immer unzufriedener und noch gehässiger. Sie wissen das nur zu gut. Deshalb verstecken sie diesen Charakterzug schamhaft hinter allerlei vorgeschobenen Argumenten … . Neider brandmarken die Klügeren als zwar schlau, aber nicht tiefsinnig; sie zernagt der Erfolg der anderen, sie schmähen die Beneideten als geldgierig, unmoralisch, egoistisch und daher verachtenswert. Sich selbst erheben sie zu anständigen, moralisch superioren Wesen. Sie bemänteln das eigene Versagen als Bescheidenheit und werfen den Beneideten vor, er spiele sich lärmend in den Vordergrund.
 Der Neider strebt nicht unbedingt danach, es dem Beneideten gleichzutun. Nicht selten lehnt er dies lauthals ab. Er richtet seine Energie auf „Zerstörung des Glücks anderer“, wie Immanuel Kant beobachtete. Büßen diese anderen ihre Vorzüge und Vorteile ein, geht es ihnen an den Kragen, bereitet das dem Neider stilles Vergnügen, er genießt die Häme und Schadenfreude. Verdienen die Beneideten dann Mitleid oder Beistand? Nein! Sie wussten doch stets alles besser! Hatten immer die Nase vorne! Mögen sie sich selber verteidigen! So beruhigt der Neider seine moralischen Restskrupel, steckt die Hände in die Tasche und gibt die verfolgte Unschuld. Wenn andere den Beneideten drangsalieren, sagt sich der kleine Neider: „Was geht mich das an!“ Sein Gewissen bleibt ruhig. Es ist nichts gewesen.
 Aus welchen Quellen sprudelt der Neid? Aus Schwäche, Kleinmut, mangelndem Selbstvertrauen, selbstempfundener Unterlegenheit und überspanntem Ehrgeiz.“

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